Guarani-Kaiowá fordern europäische Unterstützung im Kampf um ihre Rechte

KAMPF UM INDIGENES TERRITORIUM

Guarani-Kaiowá fordern europäische Unterstützung im Kampf um ihre Rechte

Während eines zweiwöchigen Aufenthalts in Europa machte Eliseu Lopes, Sprecher der Guarani-Kaiowá, auf die Menschenrechtsverletzungen gegen das indigene Volk in Brasilien aufmerksam. „Wir wollen unsere Realität in die Welt tragen“, erklärt er

Eliseu Lopes bei der Pressekonferenz am 3/10 in São Paulo (Foto: Laura Burzywdoa)

Eliseu Lopes bei der Pressekonferenz am 3.10. in São Paulo (Foto: Laura Burzywoda)


Von Laura Burzywoda
In den letzten zwei Monaten erlitten die Guarani-Kaiowá im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul mehr als zehn Attacken durch bewaffnete Milizen, die unter anderem zur Ermordung des Anführers Simião Vilhalva am 29. August führten. Zudem wurden mehrere Indigene durch Schusswaffen und Gummigeschosse schwer verletzt. Es gibt außerdem Hinweise auf Folterung und eine Anklage wegen einer kollektiven Vergewaltigung einer indigenen Frau.
Die Guarani-Kaiowá in Mato Grosso do Sul, dem Bundesstaat, der an Paraguay und Bolivien grenzt, kämpfen seit Jahren um ihre Rechte, insbesondere um die Anerkennung ihrer traditionellen Territorien. Das Land ist Schlüsselelement für die Garantierung der Menschenrechte der indigenen Gruppen. „Das Land bedeutet Leben für uns. Wenn unser Territorium nicht anerkannt wird, wird es kein Ende der Gewalt geben“, bestätigt Eliseu Lopes.
Er beklagt zudem die Straflosigkeit, die anbetrachts der zahlreichen Verbrechen an den Guarani.Kaiowá herrscht. „Es ist, als wäre Mato Grosso do Sul ein Bundesstaat ohne Gesetze, ohne Strafverfolgung.“ Die indigenen Anführer werden kriminalisiert, verfolgt und ermordet, auch Eliseu Lopes erhielt bereits Morddrohungen. Neben den 390 Mordopfern in den letzten zwölf Jahren ist auch die Selbstmordrate, insbesondere von indigenen Jugendlichen, in Mato Grosso do Sul besonders hoch.
Rund 45.000 Guarani-Kaiowá müssen auf gerade einmal 30.000 Hektar Land auskommen. „Früher lebten wir auf zehn Prozent der Gesamtfläche von Mato Grosso do Sul, heute sind es gerade mal 2,5 Prozent.“ Der Großteil des Landes im Bundesstaat wird heute für die Viehzucht und für den Anbau von Zuckerrohr, Soja und Mais genutzt und befindet sich im Besitz von Großgrundbesitzern. „Von dem ‚dichten Wald‘, der Mato Grosso seinen Namen gab, ist nicht mehr viel übrig.“
41 Gebiete wurden zwar als indigene Territorien gesetzlich ausgewiesen, die meisten davon während der Amtszeit von Lula da Silva, doch in der Praxis wurde dies noch nicht umgesetzt. Weitere Gebiete sind bereits identifiziert und zur Anerkennung eingereicht, doch die Bearbeitung der Anträge lässt auf sich warten.
„Die Regierung bemüht sich nicht um eine Lösung. Sie sollte ein für alle mal Position beziehen. Doch Dilma Rousseff empfängt uns nicht einmal, um uns anzuhören.“ Stattdessen versucht Eliseu Lopes daher, in Europa auf offene Ohren zu stoßen. Europäische Regierungen und Organisationen sollen Druck auf die brasilianische Regierung ausüben, damit die Rechte der Guarani-Kaiowá garantiert werden. Um dies zu bewirken, sprach er mit verschiedenen Abgeordneten europäischer Staaten und des EU-Parlaments, Vertretern der UNO sowie verschiedener Menschenrechtsorganisationen.
Außerdem verwies Lopes auch auf den Einfluss des europäischen Konsumverhaltens. „Dass Europa Produkte wie Zucker, Fleisch usw. kauft, die in Mato Grosso do Sul produziert werden, ist Teil des Problems.“

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