Vom alltäglichen Leben ausgehend die Strukturen verändern

Bildungsprozesse als Teil einer feministischen Revolte

Beiträge des feministischen Kollektivs Minervas aus Uruguay

 

Bevor Corona unsere Protestformen auf den Kopf gestellt hat, erreichten uns immer wieder unglaubliche Bilder aus Lateinamerika, wo in den vergangenen Jahren Hundertausende für feministische Anliegen auf die Straße gegangen sind. Aber die Demonstrationen sind weder der Anfang noch das Ende der Geschichte, weshalb sie auch in Pandemie-Zeiten weiterwirken. Sei es in der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Argentinien, im verfassungsgebenden Prozess in Chile oder bei den Protesten gegen „Dringlichkeitsgesetze“ der rechten Regierung in Uruguay im vergangenen Jahr.

 

Gerade in diesen Ländern, in der Region ConoSur, sind feministische Gruppen sehr erfolgreich darin, eine Vielzahl von Menschen zu erreichen, Aktivistinnen auszubilden und einen klassenpolitischen Feminismus in unterschiedliche Organisationen und Räume zu tragen.

 

Das feministische Kollektiv Minervas aus Uruguay hat in diesem Kontext Formate und Materialien für die politische Bildung neuer Aktivist*innen ebenso wie für Multiplikator*innen in anderen Organisationen entwickelt und durchgeführt. Im September 2020 haben Victoria Furtado und Mariana García Grisoni von den Minervas in einem virtuellen Workshop unter dem Titel „Was ist eine pedagogía popular feminista?“ einige ihrer Erfahrungen und Praxen mit deutschen Aktivist*innen und politischen Bildner*innen diskutiert.

 

Die daraus entstandenen kurzen Videos, Arbeitsblätter und einführende Texte geben spannende Einblicke in einen politischen Ansatz, der ausgehend vom alltäglichen Leben auf die großen ökonomischen und politischen Strukturen blickt und diesen zu verändern sucht. Das Beispiel einer politischen Bildungsveranstaltung zu feministischen Perspektiven auf Corona zeigt darüber hinaus die konkrete Umsetzung in der Praxis.

 

Auf diese Weise kann die erfolgreiche Arbeit der Minervas auch Impulse und Inspiration für den deutschen Kontext geben. Ihre Beiträge stärken zudem das Hoffnungsvolle und Utopische, das wir in diesen Zeiten mehr denn je brauchen.

 

Einblicke in den politischen Ansatz

 

 

Subjektivität & Leben

Vom eigenen Leben auszugehen, von den Erfahrungen mit den Ereignissen im eigenen Kontext, im eigenen Land, in der Welt – das war und ist ein zentraler Faktor der Verfielfältigung in der feministischen Bewegung in Uruguay.

 

 

 

 

 

 

Alltag & Struktur

Im Alltag anzusetzen heißt nicht, darin zu verharren. Es heißt, von dort ausgehend auf die zugrundeliegenden Strukturen zu schauen und die wirtschaftlichen wie politischen Konjunkturen zu deuten.

 

 

 

 

 

 

Bewusstsein & Bildung

Die gemeinsamen Bildungsprozesse dienen auch der Entwicklung von politisch-affektiven Beziehungen: untereinander im Kollektiv, mit anderen Aktivist*innen und Kollektiven und in Form eines neuen Umgangs mit dem Wissen über das eigene Leben.

 

 

 

 

 

 

Differenzen

Horizontalität unter den Aktivist*innen ist nicht der Ausgangspunkt, sondern sie stellt das Ziel dar. Aufgabe und Herausforderung ist, die Differenz nicht zu verdecken, sondern zu wertschätzen, sie sie als Potenzial zu verstehen, statt als Hindernis.

 

 

 

 

 

 

Vertiefende Texte

Feministische Revolte – Wir bringen die Welt durcheinander, während wir neue Welten entstehen lassen, Minervas 2019

Die feministischen Bewegungen am Río de la Plata haben in den vergangenen Jahren eine unbändige Kraft entfaltet. Das Kollektiv Minervas beschreibt dies als eine Zeit der Rebellion. Um diese Zeit zu erweitern und offen zu halten, haben sie ihre Erfahrungen in der Organisierung festgehalten und stellen sie zur Diskussion.

 

Alertas feministas – Sprachen und Ästhetiken eines Feminismus aus dem Süden, Victoria Furtado und Valeria Grabino 2018:

Alertas feministas (Feministische Warnungen) heißen die Mobilisierungen, zu denen die Koordinationsgruppe der feministischen Bewegungen Uruguays jedes Mal aufruft, wenn ein Feminizid bekannt wird. Was macht sie aus? Und welche feministischen Grundgedanken kommen dabei zum Tragen?

 

„Utopisch statt hysterisch“ – eine Bildungsveranstaltung

 

 

Kontaktbeschränkungen und Momente der Isolation haben die Verunsicherung im Zuge der Pandemie noch verstärkt. Aus diesem Grund haben die Minervas eine Veranstaltungsreihe durchgeführt, die sowohl einen Raum für ein gemeinsames Verständnis der Ereignisse bieten sollte, als auch eine Rückeroberung der Utopie und Projektion in die Zukunft. Indem sie ihr Vorgehen beschreiben und ihre Arbeitsblätter teilen, regen sie zum Nachahmen an.

Los geht’s!

 

 

Rosa Luxemburg Stiftung